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Weihnachtsbrief von Pater Georg Sporschill SJ:

"Die Einmütigkeit in der Musik heilt viele unserer Jugendlichen, die aus der Erniedrigung durch Drogen kommen. So finden sie zurück in die Gemeinschaft."

 

Im Advent 2011

 

Liebe Freunde!

Endlich ist Ruhe eingekehrt im Sozialzentrum. Siebzig Kinder und Jugendliche von der Straße sind gewaschen und haben sich satt gegessen. Nun schlafen sie. Ruth kann die Lichter im Haus auslöschen. Doch wildes Klopfen zwingt sie, noch einmal zum Tor hinunter zu gehen. Da wartet Moise ganz aufgeregt, aber wieder viel zu spät. Trotzdem lässt sie ihn herein. Zwei kleine Gestalten schlüpfen ihm nach, schwarz vor Dreck zittern sie in ihren zerrissenen Hemdchen. Es ist November und kalt.
Moise zeigt seinen Schützlingen einen Schlafplatz und hüllt sie in warme Decken. Am Morgen weckt Geschrei das ganze Haus auf. Die Neuankömmlinge streiten um ein Stück Brot. Erst beim Frühstück werden sie friedlich. Nun lassen sie sich zum Waschen bringen. Aus dem Bad treten zwei saubere Roma-Buben heraus, mit frechen Augen und ganz gleich aussehenden Gesichtern. Emanuel und Costin heißen die Zwillinge.
Nach Tagen geben sie mehr von sich preis. Ihre Eltern sitzen im Gefängnis, die Kleinen verwilderten auf der Straße. Unsere Erzieher mühen sich sehr um die beiden, doch es gibt immer Streit. Beim Essen, beim Spielen, sogar in der Kapelle, gegeneinander oder zu zweit gegen die andern. Sie terrorisieren das ganze Haus. Ruth kommt die rettende Idee, sie auf die „CONCORDIA-Farm für Kinder“ zu bringen. Die Freiheit in der Natur soll sie beruhigen. Im Frühjahr ist es so weit, dass sie zur Schule gehen wollen. Doch schon am ersten Vormittag schickt die Lehrerin die beiden nach Hause. Sie überfordern alle. Was können wir mit diesen Störenfrieden noch tun?

Überraschender Besuch kommt auf die Farm. Ein Aussteiger aus Irland bietet Trommelkurse an. So würden die Kinder ihr Taktgefühl entwickeln und lernen, aufeinander zu hören. Vier Trommeln hat er mitgebracht. Der seltsame Musiker überzeugt uns mit Geschichten, die er bis in die Nacht hinein erzählt. Am Tag darauf beginnt der erste Kurs. Plötzlich fehlt die große Trommel. Aus der Ferne ist sie zu hören, so lässt sich der Dieb rasch finden. Hinter dem Holzlager sitzt Emanuel – die Kinder nennen ihn Bebe – und schlägt die Trommel. Sie ist ihm nicht mehr wegzunehmen. Er hängt am Instrument und schwebt in seiner Klangwelt. Immer mehr bewundern ihn die anderen Kinder und wollen auch trommeln. Heute haben wir eine große und begabte Trommler-Gruppe, Bebe dirigiert sie. Besonders stolz stellt er seine größeren und kleinen Kollegen vor, wenn Gäste da sind. Bebe schreit nicht mehr herum, er und sein Bruder gehen zur Schule. Der irische Abenteurer ist wieder abgereist. Mit den Trommeln hat er uns eine wirksame Therapie hinterlassen.

Das war der Beginn der CONCORDIA-Musikschule. Heute lernen unsere Kinder Blasinstrumente und spielen im „Rosenorchester“. Vor kurzem haben sie den Radetzkymarsch einstudiert. Die meisten singen im Chor. Es gibt auch eine Volkstanzgruppe. Die Stars der Straßenkinder spielen in der Jugend-Band, die sich Jamoja nennt, in der Romasprache: Los geht’s!
Der Höhepunkt ist die Musikwoche im Sommer. Zum zweiten Mal kamen heuer Profimusiker aus Österreich, die Swinging Leaders, zu uns nach Bukarest. Die Musikergruppe wird angeführt von einer bekannten österreichischen Unternehmerpersönlichkeit, die mit Straßenkindern musiziert. Die Swinging Leaders treten mit unserer Jamoja gemeinsam auf. Das ist CON-CORDIA: Herzen kommen zusammen. Die Einmütigkeit in der Musik heilt viele unserer Jugendlichen, die aus der Erniedrigung durch Drogen kommen. So finden sie zurück in die Gemeinschaft.
Zu Weihnachten wird das Sozialzentrum für Straßenkinder zu einem Haus der Musik. Unsere Kinder spielen für Hunderte, die von der Straße zum Fest herbeiströmen. Wie die Swinging Leaders werden auch die Chöre der Engel dazukommen, um mit den geretteten Jugendlichen zu spielen und zu singen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden.“

Liebe Freunde, Ihr gehört zum großen Chor. Ihr seid dabei in den Herzen der fröhlichen Kinder. Ihre Freude soll am Heiligen Abend bis in eure Häuser klingen. Denn Euch und Euren Gaben verdanken unsere Kinder, dass sie wieder spielen können. Mit Instrumenten, Lehrern und hingebungsvollen Erzieherinnen. Bitte helft uns, die Musikschule für verletzte Seelen aufzubauen!

Craciun fericit - frohe Weihnachten!

Euer P. Georg Sporschill SJ