Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt!

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von Josef Steiner
Nr. 28030. Juli 2010
 
Der Geruch ist entscheidend
 
Der Tod und das Negative haben einen Geruch, genauso wie das Leben und die Freude. Wie ist die Atmosphäre in deiner Nähe?
 
Er riecht schon.
Joh 11,39

Am Eingang des wichtigsten Hauses für die Straßenkinder in Bukarest, im Sozialzentrum, hängt ein Bild des Patrons, der dem Haus den Namen gegeben hat. Man sieht darauf Lazarus in Binden gewickelt, aus einem dunklen Loch kommend, nach drei Tagen im Grab. An dieser Stelle heißt es in der Bibel: „Er riecht schon.“ Der Geruch des Todes, festgehalten in dicken schwarzen Strichen, scheint einem aus dem Bild entgegenzuwehen. Und man muss sich wirklich die Nase zuhalten, weil die jungen Menschen, die ins Haus kommen, tatsächlich einen intensiven Geruch verbreiten. Wochenlang ungewaschen, stinken sie nach der Billigdroge Aurolack, nach zerlumpten, fettigen Kleidern, nach Zigarettenrauch und Urin. Die Aufgabe des Hauses, das den Namen Lazarus trägt, zu deutsch „Gott rettet“, ist es, diesen Todesgeruch abzuwaschen und zu verwandeln. Wenn die Kinder aus der Dusche kommen und frische Kleider anhaben, ist der äußere Schritt getan, der auch die Gesichter heller erstrahlen lässt. Sie sitzen dann am schön mit Blumen gedeckten Tisch wie Königskinder und essen mit größtem Appetit. Jetzt sind sie aufgenommen in eine Gemeinschaft. Zufriedenheit und Müdigkeit überkommt sie. Sie können sich ausruhen und ihre Seele heilen. Die Lebensfreude kehrt zurück, sie ist förmlich zu riechen.

Jesus ist bei einem Pharisäer namens Simon eingeladen. Die Begrüßung ist höflich, der Umgangston vorsichtig, die Atmosphäre eher abwartend und gespannt. Da bricht eine Frau ein in das offene Haus. Sie schüttet Öl auf Jesu Füße, küsst sie und trocknet sie mit ihren Haaren. Der Raum wird erfüllt vom Duft des Öls, die Atmosphäre verändert sich, sie wird entkrampft und entspannt. Es kommt zu tiefen Gesprächen, zu ernsthaften Fragen und überraschenden Antworten. Die Luft im Haus des Pharisäers ist eine andere geworden.

Dasselbe geschieht im Haus der Geschwister Marta, Maria und Lazarus, nachdem der Bruder aus dem Grab errettet wurde. Maria salbt mit Nardenöl, dem besten Parfüm, Jesu Füße und wischt sie mit ihren Haaren ab. Der Geruch des Hauses, so lange vom Leiden und Tod des Bruders bestimmt, wandelt sich in den Geruch von Lebensfreude, Dankbarkeit und Glück. Als Judas fragt, ob nicht eine Spende für die Armen sinnvoller wäre als Luxus und Verschwendung des teuren Parfüms, ergreift Jesus Partei für Maria. Auch sein Tod und sein Leichnam werden einmal durch den Wohlgeruch der Salben der Frauen erträglich und verwandelt werden.

Für meinen sterbenden Vater war es eine Wohltat und Erleichterung, wenn er mit einem angenehmen Öl eingerieben wurde. Parfüms, Duftöle, Duftkerzen, Duftlampen – sie alle beeinflussen Gefühle und Stimmungen positiv. Sie beruhigen und heilen, sorgen für eine angenehme Atmosphäre und erleichtern das Leben. Sie erinnern den Menschen an seine Würde und lassen ihn spüren, dass ihn die anderen „riechen“ können, dass er geliebt ist. Der Tod und das Negative haben einen Geruch, genau so wie das Leben und die Freude. Welche Atmosphäre herrscht in meiner Umgebung?

Wen kann ich gut riechen, wen nicht und warum?

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