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"Wir machen das, weil wir reich sind"

Kirchenzeitung Martinus

 

P. Georg Sporschill zu Gast bei der Pädagogischen Jahrestagung.

Seine drei Geheimnisse verriet Jesuitenpater Georg Sporschill bei der Pädagogischen Jahrestagung des Katholischen Lehrervereines in Raiding. Sporschill, der sich in Moldawien um Straßenkinder kümmert, zeigte außerdem, wie wichtig es ist, "Wohlstandskindern" die Not der Armen spüren und begreifen zu lassen, damit aus ihnen "Sozialunternehmer" werden.

Ein besonderes Erlebnis hatte Pater Georg Sporschill vor geraumer Zeit. Er erhielt Besuch von einigen Schülern samt ihrer Lehrerin. Diese hatten bereits seit langem kleine Hilfsdienste erledigt und das so erworbene Geld regelmäßig für Sporschills Verein CONCORDIA gespendet. Nun wollten sie den Pater einmal persönlich kennen lernen. "Die Kinder waren unglaublich wissbegierig und haben viele Fragen gestellt", erzählt der Sozialseelsorger. Auf seine Frage, warum sie denn eigentlich für die Straßenkinder spenden, erklärten die Kinder: "Wir machen das, weil wir reich sind." Dabei wären die Kinder nicht reich im materiellen Sinne, sondern sie hatten ein Dach über dem Kopf, hatten eine Familie, eine Ausbildung, eine Zukunft. Das sei der wahre Reichtum, den sie erst durch die Beschäftigung mit den Straßenkindern zu schätzen gelernt hätten, so Sporschill. "Die Lehrerin dieser Kinder hat eine Brücke gebaut zwischen den Wohlstandskindern und den Straßenkindern. Dadurch ist die Not für die Schüler spürbar geworden." Weil sie diese Not selbst gespürt hatten, hatten sie gearbeitet und Geld gesammelt, um es zu spenden.

Biotop

Durch dieses Engagement sei auch ihr Interesse an dem Verein, an den Verhältnissen, unter denen die verwahrlosten Gleichaltrigen leben, um die sich der Pater kümmert, gestiegen. "Sie haben nun auf einmal Fragen gestellt, die sie sonst wohl nie gefragt hätten", meint Sporschill. Nicht nur das, der Lehrerin sei es gelungen, ein "Biotop" zu schaffen, in welchem diese jungen "Sozialunternehmer" gedeihen konnten. "Wenn man die Kinder die Not der anderen spüren lässt, dann übernehmen sie Verantwortung. In ihnen erwacht eine Kraft, über die sie selbst nur staunen können. Wenn sie einen Bezug zur Armut haben, erwacht in ihnen die Kraft, für Gerechtigkeit zu kämpfen", berichtet der Sozialseelsorger.

Beziehung

So entstehe durch Beziehung Erziehung. Daher seien seine drei Geheimnisse: "Ich liebe dich. Ich brauche dich. Du kannst es ändern." Drei gefährliche Sätze, wie Sporschill konstatiert. Denn die Liebe sei gefährlich, dennoch müsse man es sich trauen. So auch beim Brauchen. Hunderte Jugendliche aus Deutschland und Österreich kämen zu ihm nach Moldawien, um zu helfen. Und wenn er sie frage, warum sie nicht daheim helfen wollen, komme die Antwort: "Daheim braucht mich niemand." Auch das letzte Geheimnis passt nicht in die heutige Zeit voller Stress und Druck. Denn dass es jemand schaffen könne, daran glaube eigentlich niemand. "Erziehung durch Beziehung ist gefährlich, aber ich bin zuversichtlich, dass es richtig ist. Nur so können aus Kindern Sozialunternehmer werden, die die Welt zum Guten führen", so Sporschill.

 

P. Georg Sporschills CONCORDIA

1991 ging Pater Georg Sporschill nach Rumänien. Aus dem ursprünglich sechsmonatigen Aufenthalt wurde eine Lebensaufgabe. Er begann, sich um Straßenkinder und verwahrloste Jugendliche zu kümmern und gründete den Verein CONCORDIA.

Seit sechs Jahren ist er auch in einem der ärmsten Länder Europas, Moldawien, tätig. Ein Drittel der Bevölkerung arbeitet im Ausland, weil es in der Heimat keine Arbeit gibt, erzählt der Jesuitenpater. Die Eltern müssen den Kindern teilweise beim Verhungern zusehen, weil sie kein Geld für Essen haben. Es gibt Hunderttausende Kinder, die zusammen mit alten Menschen zurückgelassen wurden. Wenn sich nicht die Kinder um die alten Leute kümmern, haben diese niemanden, müssen hungern und frieren. Sporschill erzählt von einem Jugendlichen, der in einem verwahrlosten Haus gelebt hat, dessen Mutter tot und dessen Vater verschwunden war. Der Bursch weigerte sich, in das Waisenhaus des Paters zu gehen, weil er sich um eine alte Frau kümmern musste, die darauf angewiesen war, dass er ihr täglich Brot und Wasser brachte. Daher kümmern sich Sporschill und sein Team jetzt auch um die alten Menschen. "Die Politik und Europa als Ganzes muss sich etwas einfallen lassen, wie in diesem Land die Wirtschaft wieder aufgebaut werden kann. Bis dahin helfen wir", so der Sozialseelsorger.

 

Von Christoph Miehl